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Human Design hilft nicht jedem,
oder: der Kaktus im Aquarium

Nein, Human Design hilft nicht jedem.

Wie sollte es?

„One fits for all“ gibt es gerade im Human Design nicht, denn es ist schlichtweg die Differenzierung, die uns ausmacht, die alles und jeden und jedes auf der Welt ausmacht.

Was unterscheidet uns, was unterscheidet die Dinge, Begebenheiten, Zustände, Umstände, Kulturen, Traditionen, Klimaverhältnisse, Lebensmittel usw. auf der Erde?

Genau: all die Dinge, die woanders nicht gelten, die es dort noch nicht einmal gibt.

Kannst Du wirklich Dein „volles Potential“ (sorry, ich kann diese Begrifflichkeit wirklich nicht mehr hören) entfalten, nur weil Du Dein Chart durchdrungen hast?

Nein, kannst Du nicht!

Warum nicht?

Warum Human Design nicht jedem hilft

Nun, wir Menschen sind u.a. auch ein Produkt unserer Erziehung, unseres Umfelds, unserer Herkunft… und so hat eben nicht jeder das Potential, seine Talente, Gaben und Fähigkeiten auszuleben, sich auszuprobieren, sich selbst dorthin zu bringen, wo man gern sein möchte.

Kannst Du einen Kaktus in ein Aquarium pflanzen?

Ja, kannst Du – aber er wird leider dort sterben und dabei ziemlich fürchterlich aussehen, seine Wirkung verpufft. Seine Stacheln werden weich.

Nur, weil er weiß, dass er ein Kaktus ist, kann er sich noch lange nicht als solcher leben, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmig sind.

Das „volle Potential“ war ihm von Natur aus gegeben, geschenkt worden, aber alles sprach dagegen, ein starker, wirkungsvoller, kraftvoller Kaktus zu sein, zu blühen, zu gedeihen, sich selbst auszuleben, ganz er selbst zu sein.

Und so kann es auch Menschen ergehen, die am falschen Ort sind, die für sie „falschen“ Menschen um sich haben, deren Kraft im Außen nicht anerkannt wird, dessen Lebensrahmen seine Fähigkeiten nicht braucht, ihn nicht erkennt.

Du hast nun zum Beispiel ein Reading erhalten und weißt nun, was alles in Dir steckt. Du erfährst, als wer oder was und wofür Du hier auf der Erde angetreten bist.

Gut und schön – was aber jetzt?

Was tust Du nun damit?

Hilft Dir Human Design jetzt?

Nun, die meisten gehen den nächsten Schritt nicht. Sie wagen das Experiment nicht.

Höre ich auf zu rauchen, weil mir bewusst ist, dass es extrem schädlich ist und mein Organismus dafür gar nicht geschaffen ist? Nein.

Hören wir auf Fleisch aus Billigproduktion zu essen, weil wir wissen unter welch erbärmlichen Umständen dieses Zeug zustande gekommen ist? Nur die wenigsten tun das.

Machst Du täglich Sport, weil Dir klar ist, dass Dein Körper nicht für die sitzende Tätigkeit über 10 Stunden am Tag geschaffen ist und Du ihm großen Schaden damit zufügst? Nein, denn Du hast keine andere Wahl, als täglich im Büro zu sitzen für Dein monatliches Schmerzensgeld auf der Gehaltsabrechnung.

Worum geht es also im Human Design?

Es geht um alles! Vorrang hat die Bewusstwerdung, die Bewusstmachung, wer oder was Du sein könntest. Jetzt aber beginnt der Weg erst.

Veränderungen sind notwendig. Veränderungen sind das, was wir Menschen am wenigstens wollen. Denn es kostet Selbstüberwindung, es verlangt uns Opfer ab, wir müssen Umstände, Menschen, Orte, Glaubenssätze oder sogar unsere eigenen bisherigen Werte in Frage stellen und sie ggf. sogar verlassen.

Wir können den Kaktus aus dem Wasser holen, ihn in die Sonne legen, damit er trocknen kann und versuchen ihn neu zu beleben – aber einfach wird das nicht.

Wir benötigen tieferes Wissen über die Kakteen, wir müssen uns damit beschäftigen und zwar lange.

Mit Durchhaltevermögen, Fleiß und Mut, Kraft und festem Willen kann uns dieses Experiment gelingen – aber wir allein können das kaum bewerkstelligen. Der Kaktus braucht einen neuen Lebensraum, wir brauchen Unterstützung um ihn aufblühen lassen zu können. Vielleicht Dünger, vielleicht anderes Licht, vielleicht einen anderen Nährboden.

Wann hilft Human Design?

All die Veränderungen müssen wir annehmen. Das ist schwer; möglicherweise macht unser Umfeld nicht mit, oder wir sind finanziell nicht in der Lage die Umstände zu ändern – wobei ich der Meinung bin, dass wir alle die Möglichkeiten dazu haben – vielleicht sind wir kognitiv teilmöbliert ;-) oder haben längst resigniert.

1000 Dinge fallen uns ein, warum wir unser Umfeld nicht verlassen können, unserem Herzenswunsch nicht nachgehen können. Unser Selbstwertgefühl reicht nicht aus, endlich mutig den Schritt zu gehen. Unser Selbstvertrauen wurde sehr früh gedeckelt, vielleicht trauen wir uns nicht, zu unserer Spiritualität zu stehen.

Alles Gründe, die ebenfalls in uns verankert sind, es geht um Zugehörigkeit. Wir wollen doch nicht für bescheuert erklärt werden. Wir wollen doch dazugehören, wir wollen doch unser Image nicht gefährden oder unseren Status; das Bild, welches andere von uns haben, nicht zerstören.

Unser jetziges Leben einfach hinter uns lassen – das hieße ja, alles zu verraten, was wir bisher geglaubt und gelebt haben.

Wir entwurzeln uns dann selbst.

Viele unserer Readees haben tatsächlich ihr Leben geändert nach dem Reading – nicht unbedingt grundlegend, nicht unbedingt Haus und Hof verlassen, intelligenterweise haben sie mit viel, viel kleineren Dingen begonnen.

So etablierte ein Readee wöchentliche Meetings mit seinen analytischen Technikerkollegen, in denen es ausschließlich um Spiritualität geht. Eine Stunde pro Woche nach Feierabend – und siehe da: es kamen erst zwei, dann weitere Kollegen, inzwischen ist dieses Meeting fest etabliert und darf während der Arbeitszeit durchgeführt werden. Der Chef nimmt auch teil. War das einfach? Nein! Hatte er Angst ausgelacht zu werden? Ja. Hatte er Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden? Ja!

Ein weiblicher Readee hat endlich die 3-Monats-Reise mit ihrer Tochter unternommen, von der sie lange träumte, aber irgendwie „ging es nie“.

kleiner Kaktus

Wie mir Human Design hilft

Ich selbst habe meinen Job im öffentlichen Dienst quittiert nach 15 Jahren, weil es völlig gegen meine ethischen und moralischen Werte verstieß, die Dinge, die ich dort zu tun hatte, weiterhin zu bewilligen. Geht es mir jetzt besser?

Nicht immer! Enorme finanzielle Einbußen mussten hingenommen werden, Imageverlust inklusive. Aber ich kann wieder in den Spiegel schauen! Als sanfter Rebell geboren, bin ich nun mit mir selbst viel zufriedener. Der Rest wird sich fügen. Ich stehe zu all meinen Entscheidungen, das allein verleiht mir eine Vorbildfunktion. Ich habe Entscheidungen getroffen, die sich viele nicht mal vorstellen können: der Bruch mit den Eltern schon vor 30 Jahren, weil sie mich in ihr Wertesystem integrieren wollten, mich früh in meinem Selbst gebrochen und verbogen haben, mich permanent kritisierten, mir Mut und Kraft nahmen, mir allzu oft zeigten, wie falsch ich doch handle, bin, lebe…

Niemals aber haben sie gefragt, wie es mir geht, was meine Wünsche, Ziele, Träume, Lebensvorstellungen sind. Ich hatte zu funktionieren, die Klappe zu halten, brav zu sein, keine Widerrede!

Das ging nur so semi-gut mit mir. Ich sage nur: Projektorenergie Profil 5/1!

Mit den Konsequenzen musst Du dann natürlich ganz allein fertig werden, die Vorwürfe anderer: „wie kannst Du nur, Vater und Mutter muss man ehren, lieben, achten! Hast Du denn kein Herz? Sowas könnte ich nie.“

„Wie konntest Du nur den sichereren Job aufgeben, bist Du wahnsinnig? In diesen Zeiten! Hätt ich nicht gemacht, wovon willst Du nun leben?“

Nun, meine Antwort auf alles: ich will leben; mein Leben, meine Werte, meine Fähigkeiten, meine Träume.

War das hart? Ja. Würde ich das anderen empfehlen? Niemals!

Denn dafür muss man gebaut sein.

Human Design oder nicht?

Wir haben alle diesen einzigartigen inneren Bauplan! In ihm steckt alles, was wir sind, was wir nicht sind, was wir können, was wir nicht können.

Und das ist es, was Human Design kann: Dir sagen, was in Dir steckt.

Ob Du es jemals zum Leben erwecken willst, ob Du bereit bist, auf etwas zu verzichten, was Dir bisher wichtig war, das entscheidest Du, Du ganz allein für Dich.

Der freie Wille ist das oberste Gebot des Human Designs.

Hier gibt es nichts zu ver- oder beurteilen. Du machst was draus – super! Du machst nicht draus und alles bleibt wie es ist, auch okay. Ich achte und ehre Deinen Weg. Wenn Du aber über Dein Leben jammerst, über Deinen Partner, über Deine Kinder, über Deinen Job, über zu wenig Geld und nichts daran änderst, dann verlierst Du meinen Respekt und den vieler anderer auch. Das ist nicht das Schlimmste. Wofür brauchst Du meinen Respekt? Für nichts.

Wie aber sieht es aus mit dem Respekt, den Du Dir selbst entgegenbringst?

Wie sehr achtest Du Dein Sein, welche Geschichte erzählst Du Dir selbst über Dich?

Was verdrängst Du, was verheimlichst Du sogar vor Dir selbst?

An welcher Stelle traust Du Dich nicht, Dich zu leben, Dich auszubreiten, Dich zu zeigen?

Wovor hast Du Angst?

Das ist die einzige Frage, die Du Dir stellen musst, wenn Du ins Human Design Experiment einsteigen willst – und ich kann Dir versichern: Du hast jeden Grund, ängstlich zu sein.

Denn es wird nicht spurlos an Dir vorübergehen. Du bist, nachdem Du einen Blick in Deinen göttlichen Bauplan geworfen hast, nicht mehr der Mensch, der Du noch vor vier Stunden warst.

großer Kaktus

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