Bruce Lee war weit mehr als ein Mann mit außergewöhnlicher Körperbeherrschung. In seiner Art zu denken, zu trainieren und zu leben lag eine Konsequenz, die weit über Kampfkunst hinausging. Er suchte nach einer Form von Freiheit, in der Denken, Wahrnehmen und Handeln wieder zusammenfinden. Deshalb berührt mich seine Haltung so sehr im Zusammenhang mit Human Design.
Denn auch Human Design führt uns an einen Punkt, an dem es irgendwann nicht mehr darum geht, immer mehr über uns zu wissen. Es führt uns dorthin, wo Wissen wieder Körper werden muss.
Das klingt zunächst selbstverständlich und ist in Wahrheit eine der größten Herausforderungen überhaupt.
Unser Verstand hat gelernt (ist darauf konditioniert worden), nahezu jede Lebensbewegung zu kommentieren.
Er bewertet Beziehungen, Entscheidungen, Chancen, Risiken und sogar unsere eigenen Gefühle. Er will verstehen, bevor wir handeln. Er möchte Sicherheit, bevor wir uns bewegen.
Er sucht nach Garantien, bevor wir dem Leben erlauben, uns zu führen und zu berühren.
Human Design kann eine enorme Befreiung sein.
Es kann allerdings ebenso schnell zum nächsten System werden, mit dem der Verstand versucht, Kontrolle über das Leben zu gewinnen.
Hier würde Bruce Lee vermutlich ziemlich ungeduldig werden.
Wenn aus Erkenntnis eine neue Form wird
Menschen begegnen Human Design häufig mit einer tiefen Sehnsucht nach Selbsterkenntnis.

Endlich ergibt vieles Sinn, bestimmte Reaktionen bekommen einen Zusammenhang, alte innere Konflikte werden verständlicher und Eigenheiten, für die man sich jahrelang kritisiert hat, erscheinen plötzlich in einem völlig anderen Licht.
Diese Erfahrung kann unglaublich erleichternd sein und dann geschieht etwas sehr Menschliches. Der Verstand beginnt, aus dieser neuen Erkenntnis eine neue Identität zu bauen.
„Starre Formen können niemals Freiheit hervorbringen!“
Bruce Lee
Auf einmal heißt es:
- „Ich bin eben dieser Typ und deshalb verhalte ich mich so.“
- „Ich habe dieses Zentrum offen und deshalb kann ich das nicht.“
- „Dieses Tor gehört zu mir und deshalb muss ich mich genau so ausdrücken.“
- „Meine Strategie sagt mir, dass ich warten soll und darum darf ich mich bloß nicht zu früh bewegen.“
Aus Orientierung wird langsam eine Vorschrift.
Aus Selbsterkenntnis wird Selbstbeschreibung.
Aus einer Landkarte entsteht ein Zaun.
„Wie du denkst, so wirst du sein.“
Bruce Lee
Jetzt verliert Human Design seine lebendige Kraft, denn Dein Chart wurde nie dafür geschaffen, Dich in eine neue Form hineinzudrücken.
Dein Chart zeigt Dir, wo Du Dich selbst wiederfinden kannst, wenn die vielen fremden Vorstellungen darüber, wie Du zu sein hast, langsam in den Hintergrund treten.
Human Design ist kein Kostüm, es ist der Urzustand Deines Schöpfungscodes, Dein kosmischer universeller Schaltplan, so hat der „Schöpfer“ Dich gedacht, damit Du ein erfülltes Leben führen kannst, das schließt natürlich auch miese Erfahrungen ein, woran sonst könnten wir wachsen?
Bruce Lee und die Kunst formlos zu werden
Einer der bekanntesten Gedanken von Bruce Lee ist sein Bild vom Wasser:
Wasser besitzt keine starre Form und bleibt dennoch vollkommen bei sich. Es passt sich dem Gefäß an, ohne sein Wesen zu verlieren. Es kann weich sein und zugleich eine enorme Kraft entwickeln.
Darin steckt eine wunderschöne Wahrheit über unsere menschliche Identität.
Viele von uns glauben, sie müssten eine bestimmte Form aufrechterhalten, damit sie wissen, wer sie sind.
Wir halten an Selbstbildern fest, weil sie Sicherheit geben.
Wir möchten zuverlässig sein, stark wirken, erfolgreich erscheinen, liebenswert bleiben, vernünftig entscheiden und möglichst selten jemanden enttäuschen. Irgendwann entstehen daraus innere Formen, denen wir höchst unbewusst folgen.
Das ist unser Schattenselbst (Nicht-Selbst) in seiner alltäglichsten Gestalt.
Es fühlt sich vertraut an. Es spricht in unserer eigenen Stimme und kann sehr überzeugend erklären, weshalb wir genauso handeln müssen wie wir es seit Jahren tun.
Aber innere Freiheit entsteht genau dort, wo diese festen Formen durchlässiger werden.
Du verlierst Dich nicht, wenn Du alte Identitäten loslässt, ganz im Gegenteil, Du kommst Dir näher.
Wasser muss sich nicht entscheiden, welche Form für immer die richtige ist.
Wasser begegnet der Wirklichkeit des Augenblicks und findet darin seinen Weg.
Diese Beweglichkeit ist auch eine Form von Verkörperung.
Dein Quellcode (Dein innerer Schaltplan) diskutiert nicht mit Dir
Human Design legt einen erstaunlich radikalen Gedanken in unsere Hände.
Der Verstand ist ein wunderbares Instrument für Wahrnehmung, Reflexion, Sprache und Erkenntnis.
Für die Richtung Deines eigenen Lebens gibt es aber eine tiefere Instanz in Dir:
Deinen Quellcode.
Diese innere Autorität arbeitet körperlich. Sie meldet sich auf unterschiedliche Weise, abhängig davon, wie Dein System gebaut ist.
Bei manchen Menschen ist da eine unmittelbare Resonanz.
Bei anderen braucht Klarheit Zeit.
Wieder andere kennen einen leisen inneren Impuls, der auftaucht und ebenso schnell wieder verschwinden kann.
Was diese Wege verbindet, ist ihre Körperlichkeit.
Der Quellcode braucht keine perfekte Begründung.
Er hält keinen Vortrag darüber, weshalb eine Entscheidung vernünftig ist.
Er legt Dir keine zehn Argumente auf den Tisch und führt Dich anschließend zu einer logisch unangreifbaren Schlussfolgerung.
Er spricht auf seine Weise zu Dir und genau deshalb überhören wir ihn so leicht, wir sind verstandesorientiert gedrillt worden.
Unser Verstand ist laut, schnell und sprachgewandt. Der Körper arbeitet sehr viel subtiler.
Seine Wahrheit erscheint nicht mit Trommelwirbel, sie zeigt sich als Resonanz, Druck, Weite, Ruhe, Bewegung, Rückzug oder ein ganz schlichtes inneres Wissen.
Verkörperung beginnt dort, wo wir lernen, dieser Sprache wieder Gewicht zu geben, vor allem, ihr zu vertrauen.
Wissen ist aber längst noch keine Verkörperung
Eine der großen Fallen im Human Design besteht darin, unglaublich viel über sich selbst zu wissen und trotzdem weiterhin aus denselben alten Mustern heraus zu leben.
Du kannst Dein Chart auswendig kennen, Deine Tore erklären, Deine Zentren verstehen.
Du kannst wissen, welche Themen Dich immer wieder in das Schattenselbst ziehen und trotzdem kann Dein Leben weiterhin vom Verstand gesteuert werden.
Es zeigt lediglich, wie groß der Unterschied zwischen Wissen und Verkörperung ist, auch wenn es sich wie ein Widerspruch anfühlt.
Bruce Lee hat Philosophie nicht als dekoratives Gedankengebäude behandelt.
Seine Haltung musste durch den Körper hindurchgehen.
Sie musste sich in Bewegung zeigen, sie musste unter Druck funktionieren.
Das mach Human Design so spannend, denn was bleibt von Deinem Wissen über Dich übrig, wenn eine Beziehung Dich emotional trifft, wenn eine große geschäftliche Chance auftaucht, wenn Geldangst wach wird oder wenn jemand Deine Grenzen berührt?
Was geschieht dann in Deinem Körper?
Fällst Du zurück in alte Sicherungsmechanismen oder kannst Du bei Dir bleiben?
Verkörperung zeigt sich selten in ruhigen Momenten mit einer Tasse Tee und einem schön markierten Chart.
Sie zeigt sich mitten im Leben.
Wenn Human Design zur organisierten Selbstbegrenzung wird
Bruce Lee kritisierte starre Systeme, weil sie Menschen dazu bringen können, die Form höher zu bewerten als die Realität des Augenblicks.
Diese Gefahr existiert auch im Human Design.
Jemand liest eine Beschreibung seines Typs und beginnt, sich danach zu verhalten.
Ein anderer entdeckt eine offene Stelle im Chart und erklärt sie zum dauerhaften Problem.
Wieder jemand verwendet seine Autorität wie eine neue Kontrolltechnik und beobachtet sich bei jeder Entscheidung so angestrengt, dass jede Natürlichkeit verloren geht.
Dann wird aus einem Befreiungsweg eine neue Form der Selbstüberwachung.
Der Verstand liebt solche Systeme, er bekommt Regeln, Begriffe und Erklärungen. Er kann überprüfen, ob wir alles richtig machen. Er kann uns kritisieren, wenn wir vermeintlich gegen unser Design handeln.
Plötzlich steht da im Kopf ein neuer innerer Aufpasser mit einem Human Design Handbuch unter dem Arm.
Das hat mit Freiheit wenig zu tun.
Dein Design ist keine Prüfung, die Du bestehen musst, es ist eine Einladung, Dich selbst immer präziser wahrzunehmen.
Die Wahrheit Deines Designs entsteht im Erleben
Bruce Lee vertrat eine Haltung, die auch für Human Design unglaublich wertvoll ist:
Er nahm auf, was funktionierte, ließ Überflüssiges los und entwickelte daraus etwas Eigenes.
Genauso darfst Du auch Deinem Design begegnen.
Du darfst lernen, verstehen, beobachten und experimentieren.
Du darfst Begriffe wieder loslassen, wenn sie Dir begrenzender vorkommen als Dein eigenes Erleben.
Du darfst entdecken, wie Dein Quellcode tatsächlich mit Dir spricht, anstatt zu versuchen, ihn nach einer Beschreibung zu imitieren.
Irgendwann muss jede Theorie durch Deine eigene Erfahrung hindurch, erst dann wird sie lebendig.
Ein Begriff kann Dir eine Tür zeigen, durchgehen musst Du selbst.
Ein Chart kann Dir einen Spiegel hinhalten, in der Tiefe hinsehen musst Du selbst.
Eine Auswertung kann Dir Zusammenhänge erklären, verkörpern kannst nur Du sie, dann beginnt Individualität.
Dein Design ist keine Rolle
Einer der schönsten Aspekte im Human Design liegt für mich darin, dass wir uns selbst immer weniger spielen müssen.
Viele Menschen spielen jahrelang Rollen, ohne es zu bemerken.
Sie spielen die Starke, den Vernünftigen, die Angepasste, den Erfolgreichen, die Hilfsbereite oder den Menschen, der immer alles im Griff hat.
Diese Rollen entstehen oft früh und sie erfüllen irgendwann einen Zweck.
Sie geben Zugehörigkeit, Anerkennung oder Sicherheit.
Wenn Du sie aber nie überprüfst, nie darüber nachdenkst, ob sie noch Relevanz haben, dann verhindern sie Weisheit, Wachstum und Reife.
Human Design kann sichtbar machen, wo diese Rollen entstanden sind und weshalb wir so hartnäckig an ihnen festhalten.
Doch dann kommt der entscheidende Schritt: Du musst aus Deinem Design keine neue Rolle machen.
Spiel nicht Deinen Human Design Energietypen, Du musst auch kein Zentrum darstellen und kein Tor aufführen.
Du darfst ein Mensch sein oder werden, der seinem eigenen Erleben immer tiefer vertraut.
Das ist nicht so protzig wie dargestellte Identität, aber wesentlich kraftvoller.
Deine Lebensrichtung und Lebenswirkung entsteht aus Verkörperung
Viele Menschen suchen ihre Lebensaufgabe wie ein Ziel, das irgendwo vor ihnen liegt. Sie wollen herausfinden, wofür sie hier sind und wie sie möglichst schnell dorthin gelangen. So funktioniert es nur leider nicht, es ist die falsche Ebene.
Deine Lebensaufgabe erfüllst Du dort, wo Dein Wesen, Deine Entscheidungen und Dein Ausdruck immer stärker zusammenfinden.
Du
- wirkst anders, wenn Du Dich nicht ständig selbst korrigierst.
- sprichst anders, wenn Deine Worte aus einem inneren Erleben kommen.
- arbeitest anders, wenn Dein Business aus Deiner eigenen Frequenz entsteht.
- führst anders, wenn Du nicht mehr versuchst, einer Vorstellung von Führung zu entsprechen, und Du
- liebst anders, wenn Du Dich nicht länger verbiegen musst, damit Verbindung bestehen bleibt.
Aus dieser Übereinstimmung entsteht ein wahres und starkes „Ich“.
Menschen spüren diesen Unterschied sehr genau, sie spüren, wenn jemand Worte benutzt, die nur gelernt wurden. Sie spüren ebenso, wenn ein Mensch über etwas spricht, das durchlebt, durchfühlt und verkörpert wurde.
Genau diese Qualität hatte Bruce Lee.
Seine Gedanken wirkten so stark, weil sie durch seinen Körper gegangen waren.

Das Human Design Chart von Bruce Lee
Werde wieder Wasser
Human Design kann Dir helfen, Dich selbst auf eine Weise kennenzulernen, die tief berührt und vieles neu sortiert.
Doch irgendwann kommt der Moment, in dem Du das Chart innerlich vom Tisch nehmen darfst.
Dann geht es um Dich, Deinen Körper, Deine Wahrnehmung, um Deine Entscheidungen.
Kurz: Um Dein Leben.
Du brauchst keine perfekte Form für Dich selbst.
Du brauchst eine Beziehung zu Deinem Quellcode, die tragfähig genug wird, damit Du auch dann bei Dir bleiben kannst, wenn das Leben seine Form verändert.
Genau darin liegt für mich die Verbindung zwischen Bruce Lee und Human Design.
Wahre Verkörperung beginnt dort, wo Du aufhörst, Dich nach einer Theorie zu formen und anfängst, Dein eigenes Erleben ernst zu nehmen.
Wenn Du Dich „Bruce Lee“ und damit Dich selbst lebst,
dann wirst Du
- beweglicher und gleichzeitig klarer,
- wirst durchlässiger und gleichzeitig kraftvoller.
Du brauchst weniger Erklärung und bekommst mehr Erfahrung.
Du wirst wieder Wasser.
Und Wasser fragt nicht, welche Form richtig ist.
Es findet seinen Weg.
Erforsche Deine eigenen Erfahrungen.
Nimm auf, was nützlich ist, lehne ab, was nutzlos ist,
füge hinzu, was im Wesentlichen dein Eigenes ist.
Originalzitat Bruce Lee:
„Research your own experience.
Absorb what is useful,
reject what is useless,
add what is essentially your own.“

Autorin: Elke Dola
Human Design Lehre und Coaching | Human Design Management
Elke zeigt Dir, wie Du Human Design lebst, verstehst und weitergibst.
Lehre, Membership, Praxiswissen und tiefes Bewusstsein.